Als in der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre viele Menschen zum ersten Mal mit dem Internet in Berührung gekommen sind, haben sie es nicht nur mit einem relativ neuen Medium zu tun gehabt. Sondern es hat sich bei näherer Betrachtung auch ein gewisses Erstaunen darüber breit gemacht, dass diese hochgepriesene Kommunikationsplattform in großem Stil dafür genutzt wird, banalste Dinge mitzuteilen, wirre Gedanken zu verbreiten und die Kundschaft mit augenkrebserregenden Designlösungen zu traktieren. Die merkwürdige Diskrepanz zwischen den Möglichkeiten eines Mediums und der Nutzung dieser Möglichkeiten hat seinerzeit fast zwangsläufig zur Idee geführt, das Internet wenigstens dafür zu nutzen, seine Abgründe ein wenig zu kommentieren.
Seitdem sind zehn Jahre vergangen, und es stellt sich die Frage, womit sich der runde Geburtstag der Müllseite am besten feiern lässt. Durch ein Special zu den Internetauftritten, die in besonderer Weise für Heiterkeit bzw. ungläubiges Staunen gesorgt haben. Damit, den Giftschrank der Redaktion für ein paar Tage zu öffnen? Jede dieser Optionen hätte zwar den Reiz, dass ein gewisser Unterhaltungswert garantiert wäre. Trotzdem soll das Jubiliäum anders begangen werden. Nämlich dadurch, es nach zehn Jahren einfach mal gut sein zu lassen mit der Müllseite.
Für diese Entscheidung gibt es sogar Gründe. Obwohl nach wie vor bestens für Nachschub gesorgt ist, lässt sich zum einen nämlich nicht verschweigen, dass die Begeisterung, ähnlich gelagerte Fälle erneut zu besprechen, im Laufe der Zeit doch etwas abgenommen hat. Und es kommt noch hinzu, dass es private Verpflichtungen gibt, die zunehmend Engagement und Zeit einfordern.
Diese Maßnahme muss aber vor allem mit einem dicken Dankeschön verbunden werden. Zum einen in Richtung aller, die die Müllseite durch ihre einschlägigen Hinweise und Texte unterstützt, ihr Webspace spendiert, oder sie wohlwollend erwähnt und verlinkt haben. Und natürlich auch an den harten Kern der Sympathisanten, die das Müllseite-Forum zu einem wichtigen Bestandteil gemacht haben. Letzteren gegenüber wäre es grober Undank, diesen öffentlichen Ort der fröhlichen Denunziation einfach ebenfalls stillzulegen. Weshalb das Forum nach wie vor bestehen bleibt, und sich jeder dazu eingeladen fühlen soll, dort aktiv teilnehmen.
In diesem Sinne
Jürgen